Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Das Stellenangebot ist im dritten Quartal um 1,1 % zurückgegangen. Eine Erholung des Stellenmarktes lässt trotz verbesserter wirtschaftlicher Aussichten auf sich warten.
- Technische Berufe und das Bauwesen verzeichneten Zuwächse. Im Gesundheitssektor war das Stellenangebot im dritten Quartal rückläufig, verbleibt jedoch auf erhöhtem Niveau.
- Der Anteil an Stellenausschreibungen mit Remote-Option geht aktuell insgesamt und auch innerhalb der meisten remotefähigen Bürojobs zurück.
Unser quartalsweise erscheinendes Arbeitsmarkt Update betrachtet wichtige Trends auf dem Arbeitsmarkt unter Verwendung von Indeed-Daten und ergänzt damit Daten der amtlichen Statistik. Die hier verwendeten Daten werden regelmäßig aktualisiert und können in unserem Indeed Datenportal frei abgerufen werden.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zuletzt aufgehellt. So haben die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognose für das BIP-Wachstum im Jahr 2026 von 0,6 % auf 1,3 % angehoben. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Laufe des dritten Quartals kontinuierlich an (85,6 Punkte im Juni; 89,9 im September). Der erwartete Aufschwung stützt sich jedoch weiterhin stark auf die expansive Finanzpolitik der Bundesregierung: Private Investitionen und Konsum bleiben auch vor dem Hintergrund der gestiegenen Inflation und geopolitischer Unsicherheiten belastet.
Stellenmarkt geht im dritten Quartal weiter zurück
Am Stellenmarkt ist von der konjunkturellen Aufhellung bisher wenig zu spüren. Der Indeed Arbeitsmarkt Index, der das gesamte Stellenangebot auf Indeed misst, ging zwischen dem 1. Juli und dem 30. September um 1,1 % zurück. Im Vergleich zum Vorquartal (-4,3 %) und dem Vorjahresquartal (-2,1 %) verlangsamte sich der Rückgang leicht, eine Trendwende lässt jedoch weiter auf sich warten. Trotz verbesserter Geschäftserwartungen zeigen sich Unternehmen bei Investitionen in neues Personal weiterhin zurückhaltend.

Bau und Technik legen zu, Pflege verliert
Anders als in den Vorquartalen, in denen die meisten Berufsgruppen Rückgänge verzeichneten, zeigt sich zuletzt ein heterogenes Bild: trotz des allgemeinen Rückgangs stieg das Stellenangebot in der Mehrheit von 23 aus 39 betrachteten Berufsgruppen. Viele Berufsgruppen mit positiver Entwicklung machen jedoch nur einen kleinen Teil am Stellenmix aus. Dazu gehören ingenieurwissenschaftliche Berufe, in denen das Stellenangebot im Maschinenbau (+10 %), in der Elektrotechnik (+2,9 %), im Bauingenieurwesen (+2,7 %) und im Wirtschaftsingenieurwesen (+1,9 %) anstieg, die jedoch jeweils weniger als 1 % des gesamten Stellenangebots enthalten. Auch im Bauwesen (+6,5 %) und im Handwerk (+6 %) nahm die Zahl der Stellen zu. Die anziehende Arbeitskräftenachfrage in diesen Bereichen dürfte auch mit den staatlichen Infrastrukturinvestitionen zusammenhängen, zu deren Umsetzung technische Fachkräfte benötigt werden.

Bei den sich am schlechtesten entwickelnden Berufsgruppen sticht der Gesundheitssektor hervor. In der Pflege sank das Stellenangebot im dritten Quartal um 5,6 %. Auch in Arztberufen (-4,4 %) und in der Medizintechnik (-4,3 %) ging das Stellenangebot zurück. Der Rückgang in der Pflege hatte dabei schon im Frühjahr begonnen, seit März ist das Stellenangebot um 16,3 % geschrumpft. Eine mögliche Erklärung für die Zurückhaltung beim Einstellen neuer Pflegekräfte könnten die derzeit angegangenen Reformen des Gesundheitssektors sein wie das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, welches das Pflegebudget ab 2027 deckelt und damit die Refinanzierung zusätzlicher Stellen erschwert. Allerdings liegt der Indexwert in allen Berufsgruppen des Gesundheitssektors weiterhin weit über dem Gesamtmarkt und dem Referenzwert von Februar 2020. Der aktuelle Rückgang lässt sich daher auch als Normalisierung auf hohem Niveau deuten.
Angebot von Remote-Arbeit sinkt seit Jahresbeginn
Zuletzt haben einige große deutsche Unternehmen ihre Regeln für ortsunabhängiges Arbeiten verschärft. Mehr Zurückhaltung beim Home Office war in den letzten Monaten auch am Stellenmarkt zu beobachten. Der Indeed Remote Tracker, der den Anteil der Stellenausschreibungen mit Remote-/Hybrid-Option misst, sank im dritten Quartal um 0,5 Prozentpunkte auf 13,9 %. Damit setzte sich ein Abwärtstrend seit Jahresbeginn fort. Im Januar lag der Anteil noch über 15 %, seinen Höhepunkt hatte der Remote Tracker im April 2023 mit einem Wert von 16,8 % erreicht.

In den vergangenen Jahren entwickelte sich das Stellenangebot für Berufe mit geringem Remote-Potenzial robuster als das vieler remotefähiger Bürojobs. So ging der Indeed Arbeitsmarkt Index in Berufsgruppen mit hoher Präsenzanforderung (z.B. im Gesundheitssektor, Einzelhandel oder Handwerk) seit 2022 weniger stark zurück und liegt aktuell bei 122. In Berufsgruppen mit mittlerer (z. B. im Ingenieurwesen) und geringer Präsenzanforderung (z. B. in Büro & Verwaltung, Marketing, Personalwesen) liegt er mittlerweile bei 100 bzw. 78 Indexpunkten.

Der aktuelle Rückgang des Remote Trackers geht jedoch nicht allein auf diese Verschiebung im Stellenmix zurück: Auch innerhalb der Berufe mit niedriger Präsenzanforderung sank der Remote-Anteil im letzten Quartal um 1,6 Prozentpunkte (seit Jahresbeginn um 2,4 Prozentpunkte) auf 34,2 % Ende September. Der Rückgang erfasste dabei fast alle enthaltenen Berufsgruppen.

Fazit: Effizienz vor Investition
Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich verbessert, am Arbeitsmarkt ist davon jedoch außerhalb der Branchen, die direkt von staatlichen Infrastrukturinvestitionen profitieren, bisher wenig zu sehen. Das Stellenangebot ging im dritten Quartal erneut zurück. Viele Unternehmen setzen offenbar weiterhin darauf, sich mit dem bestehenden Personal zu erneuern, statt neue Stellen zu schaffen.
Dazu passt, dass große deutsche Konzerne ihre verschärften Präsenzregeln mit Produktivitätsteigerungen und Umstrukturierung begründen. Auch in den Stellenausschreibungen ist der Anteil mit Remote-Option zuletzt gesunken. Ob die Rückkehr ins Büro für die Unternehmen tatsächlich in mehr Effizienz und schlussendlich nachhaltigen Unternehmenserfolgen mündet, bleibt jedoch abzuwarten.
Methodik
Methodische Hinweise zu den verwendeten Indeed Daten finden sich hier: Indeed Arbeitsmarkt Index, Indeed Remote Tracker.
Wöchentlich erscheinen neue Daten des Indeed Arbeitsmarkt Index (http://data.indeed.com) und sind in unserem Datenportal frei zugänglich. Die nahezu Echtzeitdaten des Indeed Arbeitsmarkt Index zeigen die Gesamtnachfrage nach Arbeitskräften auf Indeed sowie die Entwicklungen für einzelne Berufsgruppen.
Die Zahl der Stellenausschreibungen auf Indeed.com ist kein Indikator für potenzielle Einnahmen oder Erträge von Indeed, das einen bedeutenden Prozentsatz des HR-Technologiesegments seiner Muttergesellschaft Recruit Holdings Co., Ltd. umfasst. Dies gilt sowohl für bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen. Die Zahl der Stellenausschreibungen wird nur zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt und ist kein Indikator für die Leistung von Indeed oder Recruit. Weitere Informationen über die Umsatzerlöse des HR-Technologiesegments von Recruit finden Sie auf der Investor-Relations-Website von Recruit Holdings und in den Finanzberichten in Japan.